Von Habsburg Gabriela

Von Habsburg Gabriela

«...Der Betrachter soll neue Durchblicke bekommen, neue Perspektiven kennen lernen, Bekanntes von einer neuen Seite anschauen lernen...»

Gabriela von Habsburg arbeitet seit geraumer Zeit vor allem mit Stahl und Edelstahl. Wohin die ersten Assoziationen auch immer gehen mögen, zur Kunst oder zur Industrie, man kommt zuerst nicht recht klar mit der Vorstellung, dies sei das bevorzugte Material einer Frau. Die Emanzipation ist längst vollzogen. Gabriela von Habsburg hatte sie sicherlich nicht nötig.

Die Künstlerin fing mit Holz an und landete bald beim Stahl. Von Schweissen und Flexen versteht sie soviel wie jeder Metallbauer. Ihre Arbeiten, ob klein, gross oder monumental stehen fest und eigenständig in der Tradition der modernen konstruktivistischen Skulptur.

In allen eckigen und kantigen Skulpturen herrscht ein aufstrebendes, dynamisch optimistisches Prinzip, vielleicht ein männliches Prinzip. Im anderen Teil der Arbeit kommen runde und gebogene, manchmal gelochte Formen hinzu, vielleicht eher nach dem Prinzip Frau und Natur, und ganz spannend wird es, wenn sich beide Elemente in einer Skulptur begegnen, durchdringen, ergänzen, befruchten.

Harmonie und Eleganz sind allen Skulpturen der Gabriela von Habsburg zu eigen, aber nirgends gibt es so etwas wie Gefälligkeit oder sich anbiedernde Schönheit um ihrer selbst willen. Die Bearbeitung der Oberflächen gibt dem Stahl Leben, oft wirkungsvoll in Kontrast gesetzt zu spiegelglatt polierten Standflächen, in welchen sich die immer vorhandene Bewegungsenergie der Skulpturen reflektiert, bricht und bereichert.

Ebenso wie sich angesichts dieser Skulpturen Begriffe wie Musik, Klang, Harmonie oder Rhythmus wie von selbst einstellen, ist dieses Bewegungspotential allgegenwärtig. Die Dynamik ist sowohl im Statischen wie im Organischen spürbar. Auch in der Formensprache findet die Künstlerin einfache und lesbare Chiffren, etwa wenn sie den Wind in Segelwölbungen fängt und die Skulptur, so fest sie auch stehen mag, auf die Reise schickt.

In diesen unaufdringlich anwesenden Kontexten empfindet der Betrachter der Skulpturen der Gabriela von Habsburg nie Befremden, er entdeckt ein menschliches Mass und natürliche Dimensionen. Das scheinbar so kalte Stahl wird zum handwerklich meisterhaft beherrschten Werkstoff. Die Skulpturen ­legen uns nahe, dass Gegenwart und Zukunft durch den Menschen sinnvoll und menschlich zu gestalten sind, auch wenn uns der technologische Fortschritt anderes zu verheissen scheint.

Heidi Leupi, Luzern, Schweiz

artist-in-residence

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